Wissen aus der Forschung

Kreuzschmerzen: Warum aktiv bleiben besser ist als Bettruhe

Bei Kreuzschmerzen ist der erste Impuls oft: hinlegen und schonen. Die Forschung zeigt seit Jahren ein anderes Bild. Hier finden Sie die wichtigsten Ergebnisse, mit Quellen.

Von Sascha Sander, Heilpraktiker seit 2008 · zuletzt geprüft am 18.10.2026

Akute Kreuzschmerzen: aktiv bleiben statt Bettruhe

Leitlinien empfehlen bei akuten, nicht-spezifischen Kreuzschmerzen übereinstimmend, im Alltag möglichst normal aktiv zu bleiben und auf Bettruhe zu verzichten. Die deutsche Nationale VersorgungsLeitlinie formuliert das als starke Empfehlung.

Eine Cochrane-Übersicht fand einen kleinen Vorteil des Aktivbleibens gegenüber Bettruhe. Bei Beschwerden, die ins Bein ausstrahlen (Ischias), zeigte sich dagegen kaum ein Unterschied. Aktiv bleiben bedeutet nicht, Schmerzen zu übergehen. Gemeint sind gewohnte Tätigkeiten in einem Maß, das sich vertretbar anfühlt.

Anhaltende Rückenschmerzen: Bewegungstherapie ist gut untersucht

Bei Rückenschmerzen, die länger als einige Wochen bestehen, gehört Bewegungstherapie zu den am besten untersuchten Maßnahmen. Laut einer Cochrane-Übersicht verringern gezielte Übungen Schmerzen und Einschränkungen im Mittel moderat. Die Nationale VersorgungsLeitlinie empfiehlt Bewegungstherapie bei chronischem Kreuzschmerz mit der höchsten Empfehlungsstufe („soll“). Für den Alltag ist entscheidend, eine Übungsform zu finden, die sich regelmäßig umsetzen lässt.

Welche Übungen? Kraft und Koordination schnitten gut ab

Eine Übersichtsarbeit verglich verschiedene Übungsprogramme bei chronischem Kreuzschmerz. In dieser Auswertung schnitten Kraft- sowie Koordinations- und Stabilisationsübungen am besten ab. Der Effekt war allerdings klein, und die Autoren beschreiben die Auswertung als explorativ. Geräte sind nicht zwingend nötig, auch Übungen mit dem eigenen Körpergewicht zählen.

Nach überstandenem Kreuzschmerz: Gehen beugt Rückfällen vor

Eine australische Studie mit 701 Menschen, die gerade einen Kreuzschmerz überstanden hatten, untersuchte ein schrittweise gesteigertes, individuell angepasstes Gehprogramm mit begleitender Information. Im Vergleich zur Gruppe ohne Programm traten Rückfälle seltener und später auf. Zur Einordnung: Die Studie war nicht verblindet, und in der Gehgruppe gab es etwas mehr Bein- und Fußbeschwerden.

HinweisDiese Seite dient der allgemeinen Information über die Studienlage und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei Warnzeichen wie Taubheit im Gesäß- oder Genitalbereich, Problemen beim Wasserlassen, zunehmender Schwäche im Bein oder Fieber lassen Sie Beschwerden bitte sofort ärztlich abklären (alle Warnzeichen).

Quellen

  1. Dahm KT et al. (2010): Advice to rest in bed versus advice to stay active for acute low-back pain and sciatica. Cochrane Database of Systematic Reviews. doi:10.1002/14651858.CD007612.pub2
  2. Hayden JA et al. (2021): Exercise therapy for chronic low back pain. Cochrane Database of Systematic Reviews. doi:10.1002/14651858.CD009790.pub2
  3. Searle A et al. (2015): Exercise interventions for the treatment of chronic low back pain: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. Clinical Rehabilitation 29. doi:10.1177/0269215515570379
  4. Pocovi NC et al. (2024): Effectiveness and cost-effectiveness of an individualised, progressive walking and education intervention for the prevention of low back pain recurrence (WalkBack). The Lancet 404. doi:10.1016/S0140-6736(24)00755-4
  5. Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 2. Auflage 2017 (derzeit in Überarbeitung). www.leitlinien.de